a.i.d.a.-Archiv Muenchen

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Rechte Aktivitäten Dezember 2010


1. Dezember 2010

München/Passau/Deggendorf. Die Münchner Schülerverbindung "Burschenschaft Saxonia" und die "Burschenschaft Normannia Winterberg" aus Passau bzw. Deggendorf werben in der neonazistischen Zeitschrift "Zuerst!" um Schüler: "Bist du Deutscher? Bist Du auf einem Gymnasium im Raum München oder Passau? Willst Du Kneipen und Budenfeten erleben? Bist Du bereit, eine Mensur zu schlagen? (...) Dann komm zu unserer Schüler-Burschenschaft in München oder Passau!" heißt es in der mit "DEUTSCH. WAHR. TREU." untertitelten Anzeige.

 

4. Dezember 2010

Boos. In dem kleinen Dorf im Unterallgäu  kommt es zu einem Konzert der Neonaziband "Act of Violence" (AoV) aus dem Raum Laupheim/Ulm. Das Konzert findet in der Immobilie der Memminger Neonazi-Kameradschaft "Voice of Anger" (VoA) statt, dem sogenannten "Clubhaus". Seit über einem Jahr haben die Neonazis die ehemalige Gaststätte "Fuggerstuben" im alten Schloß in der Ortsmitte von Boos angemietet. Im Vorfeld des Neonazikonzerts kommt es zu einem größeren Polizeieinsatz in Boos. Die Polizeibeamten unternehmen jedoch nichts gegen das Neonazi-Konzert, welches als "Geburtstagsfeier" getarnt ungestört stattfinden kann. Neonazi-Konzert und Polizei-Großeinsatz werden der Öffentlichkeit, z. B. im Polizeibericht der Behörden in Memmingen oder Kempten, nicht mitgeteilt.

 

8. Dezember 2010

München. Die "Burschenschaft Stauffia" veranstaltet einen Vortrag zum Thema "US-Tea-Party-Bewegung. Ein Vorbild für Deutschland und Europa?" über die rechte Sammlungsbewegung in den USA. Ein bebilderter Bericht über die Veranstaltung mit der Referentin Heather De Lisle erscheint anschließend auf der Website der ultrarechten "Linkstrend stoppen!"-Initiative.

 

10. Dezember 2010

PI- bzw. BPE-Aktivisten Eckhardt Kiwitt und xy.  Bild: Robert AndreaschMünchen. Roland Heinrich, Anti-Antifa-Fotograf und Aktivist des bayerischen Landesverbands der "Bürgerbewegung Pax Europa" (BPE), meldet eine Kundgebung mit 20 Teilnehmern vor dem Völkerkundemuseum in der Maximilianstraße an. Damit wollen Aktivist_innen von "Politically Incorrect München" und "BPE" gegen eine Veranstaltung von Benjamin Idriz (Autor des Buches "Grüß Gott, Herr Imam!") und Alois Glück (CSU) protestieren, die auf Einladung der Evangelischen Stadtakdemie im Saal des Museums stattfindet. Die rechten Aktivist_innen bekommen eine "Kundgebung" jedoch überhaupt nicht auf die Reihe und nur eine Handvoll Teilnehmer zeigt lediglich wenige Sekunden lang Pappschilder. Dazu verteilen sie das wirre Flugblatt eines angeblichen "Club Voltaire München", das mit dem existierenden Münchner "Club Voltaire" nichts zu tun hat. Mehr Aktivist_innen von "PI" (z. B. der Buchautor Eckhardt Kiwitt, Freising), "BPE" sowie den "Bürgern für Sendling" verteilen sich anschließend im überfüllten Saal und versuchen im Verlauf mehrfach, die Veranstaltung mit lauten "Kommentaren" zu stören oder mit "Fragen" und "Anmerkungen" in der anschließenden Diskussionsrunde zu provozieren.

 

11. Dezember 2010

Oberprex. Im ehemaligen Gasthof "Egerländer" in Oberprex treffen sich etwa 20 Teilnehmer_innen zu einem neonazistischen "Kameradschaftsabend".
(Quelle: MOVE-Vogtland)

 

12. Dezember 2010

Schwandorf. Zur "Weihnachtsfeier der Nationalen Bewegung aus der Oberpfalz" treffen sich etwa 30 Neonazis in Schwandorf. Unter den Teilnehmenden befinden sich Kameradschaftsaktivist_innen des "Freien Netz Süd" (FNS) und Funktionär_innen der NPD. Von den regional führenden Neonazis sind unter anderem Benjamin Boss, Tristan Spichal, Daniel Weigl, Karsten Panzer und Heidrich Klenhart anwesend.

Für die Feier haben sich die Neonazis unter einem Vorwand den Saal der "Brauereiwirtschaft Fronberg" in Schwandorf erschlichen. Gegenüber der Pächterin der Gaststätte, die dem Schwandorfer Oberbürgermeister Helmut Hey gehört, hatten sie sich am Telefon als "Fußballverein" ausgegeben und den Saal reserviert. Erst bei den Ansprachen wird eine Bedienung hellhörig und informiert die Pächterin, die die Raumvergabe im Nachhinein als "Fehler" bedauert. Die Neonazis des "Freien Netz Süd"  freuen sich in einem Veranstaltungsbericht auf der Homepage des "Freien Netz Süd" im Nachhinein über ihren "Coup", sich im Gasthaus des Oberbürgermeisters versammelt zu haben.

 

18. Dezember 2010

Oberprex. "Kameradschaftsabend" mit etwa 20 teilnehmenden Neonazis im ehemaligen Gasthof "Egerländer".
(Quelle: MOVE-Vogtland)

 

29. Dezember 2010

Vaterstetten. Die Zeitung "Ebersberger SZ" veröffentlicht einen Leserbrief von Herbert Uhl, Ortsverbandsvorsitzender der "Freien Wähler" (FW) in Vaterstetten. Darin ergreift Uhl Partei unter der Überschrift "Zensur im Internet" für die verurteilte Ebersberger Holocaustleugnerin Sylvia Stolz.
Uhl schreibt unter anderem: "Das rigorose Vorgehen gegen Sylvia Stolz sollte den Bürgern einer 'freiheitlichen Demokratie' eigentlich zu denken geben. Damit meine ich nicht die Inhalte ihrer Aussagen, die ich nicht beurteilen kann, da sie uns weitgehend vorenthalten werden." Der FW-Lokalpolitiker nennt die Holocaustleugnerin Stolz anerkennend "Systemkritikerin" und vergleicht sie mit Regimegegner_innen in China: "Systemkritiker in Ländern wie China, Burma oder Rußland werden bei uns gefeiert und sogar mit dem Nobelpreis bedacht, die eigenen Systemkritiker werden aber genauso weggesperrt bzw. mundtot gemacht wie in diesen Ländern." Im Stil eines Verschwörungstheoretikers fügt Herbert Uhl noch an: "Hat man so wenig Vertrauen in die Urteilsfähigkeit der Bürger, dass man sie vor kritischen Argumenten 'schützen' muß? Oder hat man doch etwas zu verbergen?"
Anfang Januar beharrt Herbert Uhl gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" noch auf seinen Äußerungen: "Ich habe scheinbar ein Tabu gebrochen, genauso wie der Sarrazin, ich bleibe aber bei meiner Meinung." Am Samstag, 16. Januar 2011, verschickt Uhl dann jedoch eine ganz anders klingende e-mail: "Es war nicht meine Absicht, den Holocaust zu leugnen oder den Nährboden für neofaschistisches oder antisemitisches Gedankengut zu bereiten. Ich bedaure zutiefst diese von mir nicht gewollte Entwicklung, die in der öffentlichen Darstellung zu Unrecht mit den Freien Wählern in Verbindung gebracht wurde. Um eventuellen Schaden von den Freien Wählern abzuwenden, trete ich mit sofortiger Wirkung vom Amt des 1.Vorsitzenden zurück."