a.i.d.a.-Archiv Muenchen

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Rechte Aktivitäten Februar 2007


3. Februar 2007

NEU-ULM. Der NPD-Kreisverband Neu-Ulm/Günzburg bestätigt bei seiner Jahreshauptversammlung Stefan Winkler aus Senden in seinem Amt als NPD-Kreisvorsitzender. Neuer Vorsitzender des NPD-Ortsverbands Senden wird Frank Behm, der Winkler hier ablöst.
Der seit Januar 2003 bestehende JN-Stützpunkt Neu-Ulm wird bei dieser Gelegenheit aufgelöst.
 

6. Februar 2007

TÜBINGEN. Der extrem rechte Verleger Wigbert Grabert wird vom Amtsgericht Tübingen wegen Volksverhetzung zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten auf drei Jahre zur Bewährung sowie 3.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Der 65-Jährige kann bereits vier einschlägige Vorstrafen vorweisen. Im Prozess geht es diesmal um einen Artikel in der revisionistischen Zeitschrift "Deutschland in Geschichte und Gegenwart" (DGG), die im Grabert-Verlag erscheint. Im betreffenden Artikel hetzt der Autor gegen Multikulturalismus an und schreibt dabei von einer "speziellen Methode von Völkermord". Autor des Beitrags ist nach Informationen des Blick nach Rechts (bnr) der Finne Henrik Holappa, der auch Autor der NPD-Parteizeitung Deutsche Stimme sei.
Wie redok berichtet, wurde im Prozess auch bekannt, dass das quartalsweise herausgegebene DGG nur noch in einer Auflage von 2.000 Exemplaren erscheint. Geschäftlich gehe es Grabert zur Zeit nicht besonders gut, zitierte ihn der Reutlinger Generalanzeiger. Er sprach von "drückenden geschäftlichen Schulden".
Als Graberts Verteidiger trat Thor von Waldstein in Erscheinung, ein früherer Vorsitzender der NPD-Organisation Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB), der früher den amerikanischen Holocaust-Leugner Fred Leuchter vertreten hatte.

 

13. Februar 2007

MÜNCHEN. Bereits im Dezember 2006 hatte Ronny Thomas ("Aktionsbündnis gegen das Vergessen" Dresden, wohnhaft in München) an die Münchner Neonaziszene appelliert, auch in München unter dem Motto „Ein Licht für Dresden“ eigenständige Aktionen durchzuführen. Das hätte er sich sparen können, gibt es hier doch seit Jahren unter Leitung der bayerischen NPD-Funktionäre Roland Wuttke und Norman Bordin Jahr für Jahr am 13. Februar eine so genannte "Dresden-Mahnwache".
Der diesjährige Aufruf der NPD Oberbayern zur "Mahnwache" auf dem Marienplatz steht ganz offiziell unter dem Motto „Gedenken an den Bombenholocaust von Dresden“ gestellt und relativiert damit öffentlich die Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden. "Die Täter bomben noch heute" heißt es weiter und dass das Gedenken die "von den Besatzern installierte politische Klasse" "demaskiere". Das Kreisverwaltungsreferat dachte nicht einmal an ein Verbot und aus bürgerlichen Kreisen wurde nicht zu Protestaktionen auf. 35 Neonazis (neben Wuttke und Bordin waren u. a. Thomas Wittke, Michael Deuringer, Sebastian Glötzl und "Feldherren"-Schlagzeuger Aris D. sowie Felix Benneckenstein und die "Kameradschaft Erding" gekommen) sammeln sich ab 18 Uhr in einem abgegitterten Teil auf dem Marienplatz.
Etwa hundert AntifaschistInnen aus München und aus einigen bayerischen Antifa-Gruppen verhindern jedoch fast vollständig eine Außenwirkung und durchkreuzen die von den Nazis intendierte Instrumentalisierung der Toten. Im Gedenken an die militärische Befreiung vom Faschismus und in Erinnerung an die Befreier wird rund um die Nazi-"Mahnwache" eine Feier abgehalten: Mit Sekt, Tee, Häppchen, britischem Butler und viel von der Schokolade, die als die "feine englische Art" gilt. Luftschlangen, Tröten, Fahnen, Transparente und die "Ten german bombers"-Gesänge begleiten dann ein kollektives Papierflieger-Falten (aus kopierten Royal-Air-Force-Flugblättern von 1945) und dann das koordinierte Werfen in Richtung der "Kameraden". Nach der Hälfte der angemeldeten Zeit brechen die Neonazis die "Mahnwache" entnervt ab und lassen sich von der Polizei zum Hauptbahnhof (Minderheit) bzw. zu einer Bierhalle in der Fußgängerzone (Mehrheit) geleiten.

 

24. Februar 2007

AUGSBURG. Nazi-Aufmarsch des "Bündnis Nationale Opposition Augsburg", der NPD Schwaben und der DP unter dem Motto "Gedenken an den Bombenterror von Augsburg".  Zum ersten Mal wird die jährliche geschichtsrevisionistische Nazi-Aktion als Aufmarsch durchgeführt. Die Stadt Augsburg war mit einem Verbotsantrag in der zweiten Verwaltungsgerichtsinstanz gescheitert. Die ca. 70 TeilnehmerInnen des Nazi-Aufzugs setzen sich zusammen aus dem Spektrum der neonazistischen Sammlungsbewegung "Augsburger Bündnis Nationale Opposition" (zeitweise auch "Bürgerbewegung Pro Augsburg" genannt) inkl. der schwäbischen DVU, aus der bayerischen NPD- und Kameradschaftsszene und einem kleineren Block sog. "Autonomer Nationalisten" aus Baden-Württemberg, die hinter einem Transparent der "JN Ulm/Heidenheim" auflaufen. Vor Ort anwesend sind u. a. die NPD-Funktionäre Roland Wuttke (Mering), Rico Doehler (Gersthofen), Norman Bordin (Ottobrunn), Thomas Wittke (Kirchheim) und die überregional agierenden Kameradschaftsaktivisten Felix Benneckenstein (Taufkirchen) und Dominic Wilutzki (Laupheim). 

 

25. Februar 2007

ESLARN. Eine Gruppe von Neonazis ist am Sonntag in die Katholische Pfarrkirche der oberpfälzischen Gemeinde Eslarn gestürmt und hat dort ausliegende Unterschriftenlisten für ein Verbot der NPD gestohlen. Währenddessen tagte in dem kleinen Ort nahe der tschechischen Grenze der bayerische NPD-Landesvorstand.
In der Kirche hatte der Eslarner Pfarrer Erwin Bauer auf Bitte des SPD-Ortsvereins Unterschriftenlisten der bundesweiten Aktion "NPD jetzt verbieten" ausgelegt, die auch bereits vom Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller per Unterschrift unterstützt worden war.
Schon beim ersten Gottesdienst um 8.30 Uhr hatten zahlreiche Gläubige die Listen unterschrieben; drei Blätter seien schon gefüllt gewesen, so der Pfarrer. Noch vor der folgenden Messe um 10.30 Uhr fuhr nach Augenzeugenberichten mindestens ein Auto mit Nürnberger Kennzeichen vor. Von insgesamt fünf bis acht Personen ist die Rede; wahrscheinlich "drei kurzgeschorene Männer in Ledermänteln" stürmten in die Kirche und schnappten sich die Listen, so die Zeitung Der neue Tag. Dabei sollen sie geäußert haben, sie hätten mit dem Bürgermeister und dem Pfarrer noch ein Hühnchen zu rupfen.
Die Neonazis meinten offenbar den gescheiterten Versuch der NPD, im vergangenen Sommer in Eslarn ihren "Bayerntag" zu veranstalten. Die Partei hatte bereits einen Mietvertrag mit einem Eslarner Einwohner in der Tasche; nach Protesten am Ort kündigte der örtliche Unternehmer jedoch den Vertrag. Nach einigem Hin und Her fand der NPD-"Bayerntag" schließlich in Regensburg statt.

Bei einigen Unterzeichnern der gestohlenen Listen geht nun die Angst um. Tatsächlich gelten Neonazis aus dem Nürnberger Raum als besonders rabiate "Anti-Antifa"-Aktivisten. Schon im Rahmen der "Fränkischen Aktionsfront" (FAF), die im Januar 2004 vom bayerischen Innenminister verboten wurde, stellten Neonazis aus Mittelfranken Namenslisten von Nazi-Gegnern zusammen und veröffentlichten sie im Internet. Auch heute noch ist die "Anti-Antifa Nürnberg" mit eigenen Webseiten unter dem Motto "Den Feind erkennen - den Feind benennen" aktiv. Führende frühere FAF-Kader wie Matthias Fischer (Fürth) und Martin Paulus (Herzogenaurach) sind mittlerweile zu wichtigen regionalen NPD-Funktionären geworden.
Der Landesvorstand eben dieser NPD, geleitet von Ralf Ollert (Nürnberg), tagte nach eigenen Angaben an dem Wochenende des Überfalls in Eslarn. Zu den Vorstandsmitgliedern zählen Fischer ("Abteilungsleiter Freie Kameradschaften") und Paulus ("Abteilungsleiter Schulung").

Die Polizei ermittelt wegen Diebstahls und sucht weitere Informationen zu dem Überfall. Die Täter seien "eindeutig der rechten Szene zuzuordnen", so der Leiter der zuständigen Polizeiinspektion Waidhaus. Einschüchtern ließ sich der Pfarrer von der kriminellen Neonazi-Aktion am Rande der NPD-Vorstandssitzung jedoch nicht, wie der Neue Tag berichtet. Nach dem Diebstahl hat er neue Listen aufgelegt, in die sich bereits wieder etliche Bürger eingetragen hätten.

 

27. Februar 2007

MÜNCHEN. Zu einer Veranstaltung beim extrem rechten "Münchner Bürgerverein e. V." (MBV) im "Altmünchner Gesellenhaus" kommen ca. 45 Personen zusammen. Als Referent tritt Helmut Schröcke (Kottgeisering) auf, vor 25 Jahren war das Witikobund-Mitglied einer der Initiatoren des rassistischen "Heidelberger Manifests". 1990 nahm Schröcke am revisionistischen Kongress "Wahrheit macht frei" in München teil.