a.i.d.a.-Archiv Muenchen

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16. Juni 2012

Nürnberg. Die ultrarechte Splitterpartei "Die Freiheit" (DF) veranstaltet ihre (bisher meist in München stattfindende) wöchentliche Kleinstkundgebung an diesem Samstag in der Nürnberger Fußgängerzone.

Schlecht besuchter DF-Infotisch bei der 'Kundgebung' auf dem Hallplatz.  Foto: Timo MuellerKurz vor 10.00 Uhr treffen die aus dem Raum München/Oberbayern kommenden Aktivist_innen der DF nach und nach am Hallplatz ein, darunter neben dem DF-Landesvorsitzende Michael Stürzenberger auch die bekannten DF- oder "Bürgerbewegung Pax Europa" (BPE)-Aktivist_innen Florian Euring, Christian Holz, Eckhardt Kiwitt, Wolfram Eichinger.

Die DF-Aktivist_innen agitierten mit Flyern und ihren bekannten Plakaten.  Foto: Timo MuellerSie stellen einen Infotisch mit Pavillon sowie einige der bekannten antimuslimischen Plakatständer auf ("Wer Islam sät wird Scharia ernten"). Am nur wenig besuchten Infostand befestigen sie ein kleines Transparent mit der Aufschrift "Islam heißt nicht Frieden sondern 'Unterwerfung' - Bürgerrechtspartei - DIE FREIHEIT". Auch präsentieren sie Materialien der BPE und ein Zitat des rassistischen Autoren Thilo Sarrazin.

Etliche Antifaschist_innen versammeln sich vor dem Platz der "Kundgebung" und protestieren gegen die Monologe von Stürzenberger und von DF-Bayern-Generalsekretär Thomas Weiss (München). Auch die in der belebten Königsstrasse vorbeilaufenden Passant_innen äußern sich sehr kritisch gegenüber den DF_Protagonist_innen. Die Ansprachen der zwei DF-Redner werden durch laute Zwischenrufe und Pfiffe vollständig übertönt. Versammlungsleiter Stürzenberger beschwert sich regelmäßig bei der Polizei über die Lautstärke der Bürger_innen. Der Anti-Antifa- und "PI-News"-Fotograf Roland Heinrich (München) fotografiert die Kritiker_innen.

Der DF-Bayern-'Generalsekretär' Thomas Weiss (München) spricht auf dem Hallplatz.  Foto: Timo MuellerMichael Stürzenberger lässt sich über die gesamte Dauer der Kundgebung sowohl von Weiss als auch von DF-Bayern-Funktionär Manfred Schwaller mit zwei Kameras filmen. Während die DF-Kundgebungen bisher von stundenlangen Monologen Stürzenbergers gekennzeichnet waren, konkurrieren heute er und Thomas Weiss am Mikrofon um Aufmerksamkeit, die Beiden fallen sich teilweise gegenseitig ins Wort. Weiss gerät völlig in Rage und brüllt mehrfach die Antifaschist_innen mit "Nazis Raus" an. Ein anderer DF-Aktivist wendet sich – nicht weniger politisch abstrus – an Medienvertreter_innen vor Ort: "Adolf Hitler war ein Linker, das kann ich beweisen" und "Diese Antifaschisten sind die Nachfolger der SA".

Als Stürzenberger den relativierenden Satz "Der Koran ist schlimmer als Adolf Hitlers 'Mein Kampf‘'" ausspricht, beginnt ein Tumult, in dem ein junger Antifaschist von den anwesenden Polizisten des Unterstützungskommandos (USK) kurzzeitig festgenommen wird. Er soll versucht haben, das Kabel aus der Lautsprecherbox zu ziehen. Da etliche Bürger_innen und Gegendemonstrant_innen sich lautstark über die vorläufige Festnahme echauffieren, räumt das USK den Gehweg vor der Kundgebung der Partei.

Dauerredner Michael Stürzenberger auf dem von der Polizei geräumten Hallplatz.  Foto: Timo MuellerTrotzdem richtet sich Stürzenberger noch kurz vor dem Kundgebungsende um 15.00 Uhr erneut an die anwesenden Polizist_innen und sagt: "Wir erwarten von der Polizei, dass sie uns besser schützen! Viele Polizisten denken so wie wir!". Weiter kündigt er an: "Wir kommen wieder, auch in Nürnberg breitet sich der Islam aus".

In den Folgetagen erscheinen auf den Internetpräsenzen von "Die Freiheit" und "PI- News" mehrere Artikel, in denen Michael Stürzenberger (alias "byzanz") sich über die Polizei und den Verlauf der Kundgebung beschwert. Diese hätte "einen skandalösen Verlauf" genommen, "denn einige Moslems und Linksextreme zeigten mit verbalen und tätlichen Ausfällen ihre hässliche Fratze, wobei sie der Einsatzleiter der Polizei etwa eineinhalb Stunden lang gewähren ließ". Stürzenberger verweist interessanterweise dabei auch auf seine Erfahrungen mit der Münchner Polizei: "In München wären diese Störer spätestens nach zehn Minuten vom Kundgebungsort entfernt worden. Aber in Nürnberg läuft dies ganz offensichtlich anders".

 

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