| Beitragsseiten |
|---|
| Applaus für Rassismus, Antisemitismus und NS-Verherrlichung |
| Programm und Reden |
| Alle Seiten |
Zum fünften Mal in Folge veranstaltete der bayerische Landesverband der NPD den sogenannten "Bayerntag", in diesem Jahr im niederbayerischen Buchhofen. Das mit den Schlagworten "Musik, Politik, Kultur, Gemeinschaft, Familie" beworbene Sommerfest hat sich damit zwar endgültig etabliert, die Anzahl der BesucherInnen stagnierte mit etwa 200 jedoch auf niedrigem Niveau.
Am 12. Juni 2010 lud die bayerische NPD zu ihrem „Bayerntag“ nach Buchhofen. Die kleine Ortschaft mit nicht ganz 1000 Einwohner_innen wäre recht beschaulich, wären da nicht die mittlerweile fast regelmäßigen Besuche durch die NPD. Mindestens drei öffentliche Veranstaltungen hat die neonazistische Partei im „Gasthaus zum Jägerwirt“ in diesem Jahr bereits durchgeführt, weitere Veranstaltungen der Neonaziszene sind bereits angekündigt. "Jägerwirt"-Betreiber Robert Leher ist laut Aussage der bayerischen NPD mittlerweile selbst Parteimitglied und ermöglicht, indem er seine Gasträume, Stadel und den Innenhof zur Verfügung stellt, die unproblematische Durchführung neonazistischer Szeneveranstaltungen.
Streitereien im Vorfeld
Dieses Mal dürfte der Umsatz dem Wirt jedoch kaum geschmeckt haben, denn es fanden lediglich etwa 200 Teilnehmer_innen den Weg nach Buchhofen. Diese niedrige Zahl dürfte unter anderem mit Streitereien innerhalb der neonazistischen Szene im Vorfeld der Veranstaltung zusammenhängen. So sagte die ursprünglich für die Veranstaltung angekündigte Rechtsrockband „Feldherren“ (München) kurzfristig ihren Auftritt ab. Hintergrund ist eine körperliche Auseinandersetzung innerhalb der rechten Szene Münchens, die derzeit bayernweit hohe Wellen schlägt. Im neonazistischen Online-Forum "Thiazi" wurden die pikanten Details im Vorfeld des "Bayerntags" in einem Thread ausgebreitet, der aufgrund seiner Brisanz nach wenigen Stunden von den ModeratorInnen schon wieder gelöscht wurde: Ein Bandmitglied der "Feldherren" und der als "Liedermacher Flex" bekannte Neonaziaktivist Felix Benneckenstein seien demnach in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 2010 vor einer Gaststätte am Münchner Ostbahnhof vom Münchner Neonazi-Funktionär Philipp Hasselbach und Personen aus dessen Umfeld körperlich angegriffen und schwer verletzt worden, dies habe auch schon staatsanwaltschaftliche Ermittlungen nach sich gezogen. Trotz dieser Vorwürfe tauchte schließlich auch Philipp Hasselbach mit einem vollbesetzten PKW beim NPD-"Bayerntag" auf.
Selbst die Anwesenheit von Hasselbach, Kopf der „Freien Nationalisten München“ (FNM), hielt einige AktivistInnen des „Freien Netz Süd“ (FNS) nicht davon ab, zum NPD-Fest nach Buchhofen zu kommen. So erschienen, trotz der Streitereien des Kameradschaftsdachverbands mit der NPD auf Landesebene, einige führende AktivistInnen aus dem FNS zugerechneten Kameradschaften aus Niederbayern, der Oberpfalz sowie Mittelfranken, darunter Robin Siener (Cham), Daniel Weigl (Schwandorf) und Walter Strohmeier (Drachselsried). Der Grund hierfür dürften die guten Beziehungen der ostbayerischen NPD zum FNS sein. Die dem "Freien Netz Süd" angehörende "Kameradschaft München" und die Nürnberger Neonazis des "Bund Frankenland" hatten dagegen demonstrativ eine Reise zum "Thüringentag der Nationalen Jugend" vorgezogen.
Das Angebot beim "Bayerntag"
Während die niederbayerischen NPD-Aktivisten um Alfred Steinleitner (Deggendorf)und Martin Gabling (Neuhaus am Inn) noch mit Aufbauarbeiten beschäftigt waren, kassierte eine Aktivistin der NPD aus Ingolstadt schon mal die BesucherInnen ab. Für „Sicherheit“ im Eingangsbereich sorgte der NPD-Aktivist und „Nationale Ersthelfer“ Pascal Scholz (Klingenberg). Das eigentliche Fest fand in einer zum Veranstaltungsraum umgebauten Scheune sowie im Innenhof des weitläufigen Geländes statt. Neben Bierzeltgarnituren und einer Kinderhüpfburg waren dort auch diverse Informationsstände aufgebaut. So zum Beispiel ein Verkaufsstand des einstmals von Bayern aus betriebenen neonazistischen CD-Labels „Rebel Records“ (Cottbus). Auch die „Gemeinschaft Deutscher Frauen“ (GDF) hatte einen Infostand aufgebaut, hinter dem zeitweise Sigrun Rennicke, ehemalige "HDJ"-Aktivisten und Tochter des neonazistischen Liedermachers Frank Rennicke, anzutreffen war. Direkt daneben warb ein Stand des rechten Monatsmagazins „ZUERST!“ um AbonentInnen. Betreut wurde der Stand von Marcel Müller. Der ehemalige Stützpunktleiter der JN im baden-württembergischen Heilbronn ist vor kurzem nach Schleswig-Holstein gezogen und jetzt als Auszubildender bei dem von Dietmar Munier herausgegebenen extrem rechten Blatt beschäftigt. Ebenfalls mit einem Infostand präsentierte sich die „Nationale Volkspartei“ (NVP) aus Österreich mit deren Bundesgeneralsekretär Robert Faller.![]()
Programm und Reden
Mit einiger Verspätung eröffnete Patrick Schröder (Mantel), Landesorganisationsleiter der NPD und Betreiber des neonazistischen Internetradios „Radio FSN“, das Programm. Beim anschließenden Redebeitrag des Landesvorsitzenden Ralf Ollert (Nürnberg) verließen auffällig viele TeilnehmerInnen den Saal.![]()
Besser kam der Fraktionsvorsitzende der NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Udo Pastörs (Lübtheen), an. Dieser referierte auf der Bühne über die Notwendigkeit eines klar definierten Freiheitsbegriffs für die nationale Bewegung und landete dabei schon nach wenigen Minuten bei Adolf Hitler. Dieser hätte „ganz genau gewusst, wo man die Schrauben ansetzen muss, um jenen die Verfügungsgewalt über das Kapital zu entziehen zu können“, die einem 'undeutschen' Freiheitsbegriff anhängen würden. Im weiteren Verlauf seiner Rede beklagte Pastörs die „Überfremdung“ des Landes, bezeichnete die Politik der Niederlande während des 2. Weltkrieges als „Verrat an der weißen Rasse“ und nannte die extrem rechte „Pro Bewegung“ einen „Blitzableiter der multikulturellen Gauner, die ein Interesse daran haben, dass wirklicher Nationalismus in Deutschland keinen Platz bekommt“. Seine kürzlich im Landtag getätigte Aussage, dass „die Bekämpfung und Ausmerzung des jüdischen Bolschewismus eine gute Idee gewesen ist“, bekräftigte Pastörs erneut. Diese Aussagen kamen beim Publikum gut an, häufig wurde Pastörs Redebeitrag gerade bei den besonders offen rassistischen, antisemitischen und NS-verherrlichenden Phrasen durch Applaus und Zurufe unterbrochen.
Neben Pastörs sprachen noch der JN-Bundesvorsitzende Michael Schäfer (Wernigerode), Parteichef Udo Voigt (Berlin) sowie der Bundespräsidentschaftskandidat der NPD, der neonazistische Liedermacher Frank Rennicke (Altengreuth). Letzterer konnte bei den ZuhörerInnen ebenfalls mit kaum getarnter antisemitischer Hetze punkten. Rennickes Aussagen verdeutlichten die Virulenz von antisemitischen Verschwörungstheorien innerhalb der neonazistischen Rechten. O-Ton Frank Rennicke: „Schuld tragen diejenigen, die von Heuschrecken und Finanzspekulanten reden, aber diese nicht beim Namen nennen wollen. Nicht nur Udo Pastörs möchte gerne diese Leute beim Namen nennen. Und liebe Freunde, ich würde Sie auch beim Namen nennen. Aber ich möchte die Zelle von Ernst Zündel, die gerade frei geworden ist, morgen früh nicht beziehen. Nur so viel: Es sind nicht die Norweger, garantiert nicht die Norweger, die uns hier bescheißen.“
Rennicke lieferte auch den ersten musikalischen Beitrag des Tages, gefolgt vom "Liedermacher" Fylgien, bürgerlich Sebastian Döhring (Berlin). Später am Abend spielten noch die „Southern White Punks“, eine bisher nicht in Erscheinung getretene Band, die aus Bayerisch-Schwaben kommen soll. Deren Auftritt währte allerdings nur kurz, nach wenigen Liedern musste die Musik um 22 Uhr eingestellt werden.
Das Publikum
Viele Spektren der neonazistischen Rechten waren an diesem Tag anwesend, dominant waren jedoch die Gruppen der älteren Parteimitglieder einerseits, sowie von der Skinheadsubkultur beeinflusste jüngere Neonazis andererseits. Eine größere Gruppe von rechten Skinheads reiste aus München und Umland, einige trugen die einheitlichen T-Shirts der Kameradschaft „Nationale Solidarität Bayern“ (NSB) aus dem Münchner Umland oder die Lederkutten der „Jagdstaffel Süd“(Bad Tölz). Auch viele der aus der niederbayrischen Provinz angereisten jungen Rechten drückten ihre Gesinnung durch Kleidung aus. So waren neben T-Shirts der „Crew 38“ (aus dem internationalen Hammerskin-Netzwerk) auch zahlreiche Aufdrucke von Rechtsrockbands wie „Skrewdriver“, „Die Lunikoff-Verschwörung“, „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“ oder martialische Bekenntnisse wie „Racewar“ und „Todesstrafe für Kinderschänder“ zu sehen. Auffällig war ein im Zusammenhang mit der Fußball WM stehender Trend zu Kleidungsstücken mit kolonialrassistischen Bezügen. Eine Reihe von Besucher_innen trugen T-Shirts mit Aufdrucken wie „Heia Safari – Am Kap der guten Hoffnung werden wir Weltmeister sein“ oder „Reichskolonialmeister 2010“
.![]()
Auffallend war auch eine starke Beteiligung von Neonazis aus Österreich, es parkten zahlreiche Autos mit Kfz-Kennzeichen aus der benachbarten Alpenrepublik auf dem von den Neonazis als Parkplatz genutzten örtlichen Raiffeisengelände. Aus der Schweiz war Philippe Eglin angereist, Leiter der Basler Sektion der „Partei National Orientierter Schweizer“ (PNOS). Eglin fiel zuletzt am 1. Mai 2010 bei einer Neonazidemonstration in Schweinfurt durch eine NS-verherrlichende Aussage auf: „Ich höre von vielen Nationalisten, heute ist fünf vor Zwölf, doch dies stimmt nicht. Vor 20 Jahren war fünf vor Zwölf, jetzt ist Fünf Uhr fünfundvierzig und wir wissen genau, was zu dieser Zeit gemacht werden muss“.
Angesichts des angelockten Publikum war es wenig verwunderlich, dass sich kaum "normale" BürgerInnen auf das Fest verirrt hatten. Ein Mittvierziger, angereist mit dem PKW einer lokalen KfZ-Werkstatt, stellte an diesem Tag die Ausnahme dar.
Spärliche Proteste gegen das Neonazitreffen
Proteste gegen den sich etablierenden neonazistischen Veranstaltungsort wären dringend notwendig. . Doch nichteinmal die Sorge um das Ansehen des Ortes (bei der Eingabe des Suchbegriffs "Buchhofen" schlägt google mittlerweile schon automatisch die Kombination mit dem Begriff "NPD" vor) konnte mobilisierend auf die in Buchhofen und der Region lebenden Menschen wirken. Nur hundert Meter vom Veranstaltungsort der Neonazis entfernt fand zwar eine Gegenveranstaltung gegen den NPD-"Bayerntag" statt. Nur wenige Buchhofer_innen fanden allerdings den Weg zum Fest, bei dem Bands spielten und es neben Getränke- und Grillständen auch zahlreiche Infostände von Vereinen, Parteien und Initiativen gab.





