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Rieger-Gedenken ohne Grab kein Nazi-Magnet

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Wunsiedel/München. Etwa 1.000 Neonazis demonstrierten heute in mehreren bayerischen und thüringischen Städten. In Wunsiedel kam es bei einem "Jürgen-Rieger-Gedenkmarsch" nicht zu einer befürchteten Großdemonstration im Ausmaß der seit Jahren verbotenen Heß-Aufmärsche.

Nach Angaben des hessischen NPD-Chefs Jörg Krebs waren 700 Rechtsextreme dem Aufruf der NPD in die oberfränkische Stadt gefolgt. Die Polizei sprach in ihrer letzten Pressemitteilung von 850 Teilnehmern, gegen deren Umzug etwa 1.000 Nazigegner protestierten. Damit kam es nicht zu der von manchen befürchteten Wiederauflage der Größenordnung, in der die letzten Rudolf-Heß-Märsche in Wunsiedel stattfanden. Zuletzt waren dort im Jahr 2004 nach Polizeingaben 3.800 Neonazis durch die Stadt gezogen, laut den Veranstaltern sogar 7.000.

Offenbar war jetzt der Anlass des Todes von Jürgen Rieger nicht genug, um die Differenzen innerhalb der rechtsextremen Szene zumindest zeitweise beizulegen. Im Gegensatz zu den Heß-Märschen, denen das Grab des Hitler-Stellvertreters in Wunsiedel als symbolischer Fixpunkt diente, konnte der Rieger-Marsch jetzt weder an den Anlass eines Begräbnisses noch an einen Bestattungsort anknüpfen.

Die Demonstration war erst am Freitag durch einen Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (BayVGH) möglich geworden. Ebenfalls Freitag hatte der Gerichtshof einen von Neonazis um den Organisator Philipp Hasselbach veranstalteten "Heldengedenkmarsch" in München zugelassen. Dort kamen zur gleichen Zeit wie in Wunsiedel etwa 150 Neonazis zusammen, die unter heftigem Protest von etwa 1.200 Gegendemonstranten durch die Innenstadt zogen.

Im thüringischen Arnstadt zogen heute etwa 100 Neonazis ebenfalls zu einem "Heldengedenken" durch die Stadt. Etwa 200 Menschen protestierten gegen den rechten Umzug. Wie erwartet war die Thüringer NPD gegen das erst gestern erfolgte Verbot ihrer kurzfristig in Pößneck angemeldeten Rieger-Demo nicht weiter juristisch vorgegangen. Diese Versammlung hatte offensichtlich als Ersatz-Demo dienen sollen, falls der Aufzug in Wunsiedel doch verboten geblieben wäre. Gegen das Verbot giftete das Neonazi-Portal Altermedia und brachte ins Spiel, dass am Rieger-Todestag im nächsten Jahr ein solcher Marsch in Pößneck stattfinden könnte.

[Dieser Beitrag erschien am 14.11.2009 zuerst bei redok.de. Die Veröffentlichung bei a.i.d.a. erfolgt mit freundlicher Genehmigung]

 

 

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